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| Bild, Metapher, Symbol: An der Grenze der kommunizierbaren Erfahrung |
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| Congresses - 2004 Barcelona | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Written by Manfred Krapp | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wednesday, 14 October 2009 21:48 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Manfred Krapp In der analytischen Beziehung bildet der Umgang des Analytikers mit seinem eigenen Unbewussten, die Form der Auseinandersetzung mit sich selbst, die Matrix für therapeutische Wandlungsprozesse beim Patienten. Gerade früh gestörte, psychosenahe oder psychotische Patienten nehmen bei ihren Therapeuten deren Möglichkeiten der schöpferischen Beziehung zum Unbewussten sehr sensibel wahr, aber auch deren Grenzen in der Integration des Unbewussten. Manchmal bekommt man den Eindruck, sie können geradezu im Unbewussten ihrer Analytiker lesen. Es handelt sich hier um Kommunikationsprozesse, ja seelische Austauschprozesse, die auch direkt zwischen dem jeweiligen Unbewussten von Patienten und Analytiker stattfinden. Für diese Dynamik gibt es eine Vielzahl von Modellvorstellungen, die ich nur kurz andeuten möchte. In der analytischen Psychologie ist dies die Induktion oder psychische Infektion, die Participation mystique, ein vom Selbst ausgehender synchronistischer Prozess, das interaktive Feld, der mundus imaginalis usw. Freud hat in Zusammenhang mit der gleichschwebenden Aufmerksamkeit und der Telepathie auf unbewusste Kommunikationsformen hingewiesen. Projektive Identifizierung oder Winnicotts Überlegungen zum Übergangsobjekt sind weitere psychoanalytische Konzeptionen in diesem Zusammenhang. Entscheidend für die Wahrnehmung dieser unbewussten Kommunikationsprozesse sind aber die imaginativen Vorgänge des Analytikers, wie diese mit den imaginativen Vorgängen des Patienten korrespondieren. Aus solchen unbewussten Austauschprozessen ist in einer meiner Therapien eine Dokumentation von ca. 25 bildnerischen Gestaltungen und ca. 140 Seiten Text entstanden. Aus dieser möchte ich später zwei kleine Ausschnitte präsentieren und einer Metaphern-, Bild- und Symbolanalyse unterziehen, welche die Vorstellungen dieser Patientin zu ihrem therapeutischen Prozess und wechselseitige imaginative Vorgänge im Erstgespräch zum Inhalt haben. Doch zunächst möchte ich einige aktuellen Ergebnisse aus der Kognitionsforschung vorstellen, welche die Bedeutung dieser imaginativen Ebene im analytischen Erkenntnisprozess unterstreichen. Der Psychoanalytiker und kognitive Psychologe Ulrich Moser (siehe Moser, 1991 und 1997) macht folgende kritische Anmerkungen zur psychotherapeutischen Prozessforschung. Bedeutung kommt nach seiner Auffassung nicht erst durch Sprache in die Welt des Menschen. Kognitive Vorgänge beruhen zunächst auf bildhaften Vorstellungen von Situationen, Objekten usw., die mit einem affektiven Code versehen werden, welcher deren Bedeutung bzw. Sinn repräsentiert. Die genaue Verknüpfung von Bild und Affekt ist dabei noch unbekannt, man spricht von „emotional meaning structures“ oder „image-like prototypes of emotional situations.“ (Moser, 1997, S. 113) Auch im analytischen Prozess werden das Bild, „das der Analytiker aufgrund seiner affektiven Beziehung zum Analysanden entwickelt, das Teile seiner selbst enthält und Wesen, Biographie und die sozio-kulturellen Kontexte beider darstellt, “ (ebd. S. 109) in einem affektiven und einem bildhaften Code gespeichert, wie auch die Interaktion zwischen beiden im engeren Sinn. Der sprachliche Diskurs mit seiner linearen Abfolge von Subjekt – Prädikat – Objekt, kommt erst nachträglich hinzu und dient der Zusammenfassung von emotionalen Episoden und dem Gedächtnis für Affekte. Das emotionale und das bildhaft-symbo-lische Signifikationssystem werden dann in einem Prozess der verbalen Umcodierung mit dem sprachlichen Signifikationssystem verknüpft, was zu einer Verschiebung der Bedeutungsschwerpunkte führt. Innere Bilder und affektive Erlebnisse erfahren nach Moser durch den Erzählprozess in der analytischen Situation eine Entstellung, die auch Ton- und Bildaufzeichnungen nicht zu umgehen vermögen. Von daher überschreibt er seine kritische Auseinandersetzung mit der psychotherapeutischen Prozessforschung mit „Vom Umgang mit Labyrinthen.“ Psychoanalytiker messen nach Moser dieser narrativen Struktur eine zu große Bedeutung bei. „Die therapeutische Tätigkeit bewegt sich in allen drei Signifikationssystemen. Es ist nicht gerechtfertigt, praktisch wie theoretisch, dem sprachlichen Signifikationssystem und damit dem narrativen Charakter des psychoanalytischen Prozesses Priorität zuzuschreiben. […] Das Unbehagen an der psychoanalytischen Theorie mag gerade aus dem Umstand kommen, dass diese basalen Formen der Signifikation [die affektive und bildhaft-symbolische Form MK] kaum in die Konzeptstruktur der psychoanalytischen Theorie aufgenommen wurden.“ (Moser 1997, S. 113) Von einer solch einseitigen Überbewertung der sprachlichbegrifflichen Ebene kann man bei der analytischen Psychologie nicht sprechen. Jung hat schon 1912 in „Wandlungen und Symbole der Libido“ die Bedeutung des bildhaften Denkens in seiner Verbindung mit emotionalen Prozessen hervorgehoben. Beim nicht gerichteten, bildhaften oder assoziativen Denken „hört das Denken in Sprachform auf, Bild drängt sich an Bild, Gefühl an Gefühl.“ (GW 5, S. 37) Der eigentliche Ausdruck des Psychischen ist „nicht die rationale Sprache des Bewusstseins, sondern die dunkle und vieldeutige Bildersprache.“ (Wolff, S. 15) Jungs Definition des Bildes als „konzentrierter Ausdruck der psychischen Gesamtsituation“ (GW 6, S. 452) umfasst auch den kognitiven Bereich. Ein Bild konstelliert sich „durch die Eigentätigkeit des Unbewussten, andererseits durch die momentane Bewusstseinslage.“ (ebd.) Das urtümliche Bild, dem Jung einen archaischen Charakter zuspricht, wenn es mit bekannten mythologischen Motiven auffallend übereinstimmt, übt eine ordnende und integrative Wirkung auch auf die kognitiven Vorgänge aus. „Es gibt den sinnlichen und inneren geistigen Wahrnehmungen, die zunächst ungeordnet und unzusammenhängend erscheinen, einen ordnenden und verbindenden Sinn […]. Es bindet aber auch die durch die Wahrnehmung der Reize entfesselten Energien an einen bestimmten Sinn, der das Handeln in die dem Sinn entsprechenden Bahnen leitet.“ (GW 6, S. 454/455) Zum Symbol wird das Bild, wenn es der vorläufige Ausdruck einer noch nicht vollständig erfassbaren inneren Anschauung ist, was wiederum von der Einstellung des Bewusstseins abhängt. Das Symbol (Sinnbild) erfasst aufgrund seiner sinnlichen Anschaulichkeit als Bild die Emotionen, als Sinn bzw. Bedeutung auch den geistigen Bereich. Aus dieser Mittlerfunktion des Symbols zwischen Emotion und Geist geht seine „erlösende Wirksamkeit“ (Jung, GW 6, 456) und auch seine therapeutische Wirkung hervor. In vielen Metapherntheorien lassen sich Bild, Symbol und Metapher nicht immer ganz genau voneinander unterscheiden. Auch bei Jung ist der Begriff des Bildes teils umfassender, dem Symbol übergeordnet, wenn sich die seelischen Prozesse im Bild und durch das Bild bewusst vollziehen – „Bild ist Seele“ (GW 13, S. 58) – teils rückt Jung das Bild in die Nähe des Metaphernbegriffs, denn das Bild ist für ihn „eine Anschauung, die dem poetischen Sprachgebrauch entstammt.“ (GW 6, S. 451) Das Bild hat einen „eigenen, selbständigen Sinn“ (GW 6, S. 452), aber nicht als buchstäbliche, sondern als metaphorische Aussage, die oft nur indirekt durch weitere Bilder (Amplifikation) erschlossen werden kann. „Auch der beste Erklärungsversuch ist nichts anderes als eine mehr oder weniger geglückte Übersetzung in eine andere Bildersprache. (Sprache ist ja nichts anderes als Bild!)“ (GW 9, i, S. 174) Auch für Hillman (1983b) sind seelische Bilder eher „Bilder im Sinne von Metaphern.“ (S. 54/55, Hervorhebung durch den Autor) Hillman macht einen bemerkenswerten Unterschied zwischen Metapher und Allegorie.
Hillmans wie auch Jungs Metaphern, bzw. Bildkonzeptionen erfahren vor allem in der kognitiven Metapherntheorie des Linguisten Lakoff und des Philosophen Johnson eine Bestätigung. Deren grundlegende Annahme lautet, „dass die Metapher unser Alltagsleben durchdringt, und zwar nicht nur unsere Sprache, sondern auch unser Denken und Handeln. Unser alltägliches Konzeptsystem, nach dem wir sowohl denken als auch handeln, ist im Kern und grundsätzlich metaphorisch.“ (Lakoff, Johnson, 1998, S. 11). Die Metapher ist somit nicht nur eine künstlerisch-poetische Redefigur, sondern strukturiert auch das begriffliche Denken. Die kognitive Metapherntheorie ging aus der kognitiven Linguistik hervor, welche die Trennung zwischen wörtlicher und bildlicher Sprache aufgab, um bildlichen Redewendungen besser gerecht zu werden. Nach ihrer Auffassung ist die Alltagssprache weitgehend metaphorisch, was aber meistens nicht bewusst ist. Das Verwenden von Metaphern ist ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Sprachkompetenz wie auch des fachsprachlichen Expertendiskurses, was Jäkel (2003, S. 40) als Ubiquitäts-These zusammenfasst. Metapher kommt vom griechischen Wort metaphorein und bedeutet wörtlich übertragen, in der aristotelischen Substitutionstheorie das Übertragen von Eigenschaften eines Gegenstandes auf einen anderen Gegenstand aufgrund einer Ähnlichkeit. Die Metapher erzeugt eine bestimmte bildhafte Vorstellung von einem Objekt, auch Bildempfänger oder Zielbereich genannt, indem dieses durch einen anderen Erfahrungsbereich, dem so genannten Bildgeber oder Ursprungsbereich, veranschaulicht und damit verständlich gemacht wird. Eine oft eher abstrakte Begriffsdomäne wird somit durch Rückgriff auf einen anderen, sinnlich-konkreten Erfahrungsbereich begreifbar gemacht und bekommt so einen Sinn. Man nennt diesen Vorgang metaphorische Übertragung bzw. Projektion oder Mapping. Die Metapher hat somit eine wichtige Erklärungs- und Verständnisfunktion, bei abstrakten Begriffen, theoretischen Konstrukten und metaphysischen Ideen sogar eine kognitive Erschließungsfunktion. Jung hat diese Sinn gebende Funktion der Metapher prägnant zusammengefasst: „Bild und Sinn sind identisch.“ (GW 8, S. 230) Die Basis dieser metaphorischen Übertragung, der Ursprungsbereich, wird durch Bild- oder Vorstellungsschemata (image schemata) gebildet, das sind wiederkehrende dynamische Muster unserer präkonzeptuellen, sensomotorischen Körpererfahrung, welche (nicht-metaphorische) konzeptuelle Systeme bilden. Dies kann an folgendem Beispiel verdeutlicht werden. Angsthase veranschaulicht die mit Angst verbundenen Fluchtreflexe, das Weglaufen als sensomotorische Körpererfahrung, was im Sinne einer metaphorischen Übertragung auf das Konzept Angst übertragen wird. Die metaphorische Redewendung „vor Angst wie gelähmt sein“ verdeutlicht das mit der Angst verbundene lähmende Entsetzen ebenfalls als körperliche Erfahrung. Verschiedene Metaphern zu einem Konzept wie hier z.B. Angst können sich auch widersprechen, die eine Metapher hebt einen Aspekt hervor, z.B. das Weglaufen, während sie einen anderen Aspekt bzw. die anderen Aspekte gleichzeitig verbirgt (z.B. das lähmende Entsetzen) Man bezeichnet „diesen Fokussierungseffekt der Metapher als Highlighting and Hiding.“ (Jäkel, 2003, S. 37) Aus diesen Bild- oder Vorstellungsschemata leiteten Lakoff und Johnson drei Grundtypen der Metaphernbildung ab, die sie in späteren Veröffentlichungen zwar wieder relativieren, da diese sich gegenseitig überschneiden, die aber zum besseren Verständnis hier kurz zusammengefasst werden sollen:
Ein weiteres Beispiel für eine konzeptuelle Metapher ist „Zeit ist Geld, “ zu welcher einzelne Metaphern wie „Zeit vergeuden, investieren, haushalten, sparen, kosten“ usw. gehören. Konzeptuelle Metaphern können wiederum idealisierte kognitive Modelle bilden (so genannte ICM oder IKM), welche Gestaltcharakter haben und oft eine pragmatische Vereinfachung der komplexen Realität darstellen. Sie entsprechen den mentalen Modellen der kognitiven Psychologie und enthalten einfache Welterklärungsmuster oder Alltagstheorien. „Konzeptuelle Metaphern sorgen durch die Rückbindung des abstrakt-begrifflichen Denkens an die sinnliche Anschauung für die körperlich-biophysische Fundierung der Kognition und gewährleisten so die Kohärenz und Einheit unserer Erfahrung.“ (Jäkel, 2003, S. 41) Damit wird der Gegensatz zwischen rationalem Denken und dem bildhaften Imaginieren aufgehoben. Dies führt zum kreativen Potential der Metapher, welches auch die kognitive Metapherntheorie hervorhebt. „Die potentielle Bedeutungsfülle wenn nicht sogar jeder sprachlichen, so doch zumindest der konzeptuellen Metapher geht in keiner Paraphrasierung auf, ihr semantischer Gehalt lässt sich nicht vollständig auf ein unmetaphorisch- propositionales Darstellungsformat reduzieren.“ (Jäkel, 2003, S. 33) Dies entspricht genau Hillmans und Jungs Auffassung (siehe oben). Als Beispiel dient die Metapher „Das Leben ist eine Reise.“ Es gibt viele Möglichkeiten, sich eine Reise vorzustellen und dementsprechend viele Möglichkeiten, sich das Leben als Reise vorzustellen. Kreatives Imaginieren kann immer neue Möglichkeiten hervorbringen, neue Vorstellungsschemata entwickeln und damit neue Metaphern, welche eingefahrene Denkmuster umstrukturieren und Erfahrungen umgestalten können. Für Hillman (1983a) ist die Metapher auch „ein Instrument des Soul-makings […] denn sie transponiert die Fragestellung der Psyche nach ihrer eigenen Natur in eine Mythopoiesis des eigentlichen Imaginierens, in eine fortwährende psychologische Schöpfung.“ (S. 30, eigene Übersetzung) In diesem kreativem Potential der Metapher liegt auch ihr Wert für die psychotherapeutische Anwendung. Schmitt (2001) hat die Bedeutung der kognitiven Metapherntheorie für die Metaphernanalyse in der Psychotherapie im Einzelnen aufgeführt. Danach folgen kognitive wie emotionale Vorgänge einem metaphorischen Muster. Metaphorische Formulierungen basieren auf körperlichen Erfahrungen. Dies bietet eine „bestrickende Integration der Leib-Seele-Dichotomie“ (ebd.) Schmitt unterstreicht die therapeutischen Implikationen der Metaphernanalyse durch Studien, nach denen ein umfangreiches aktives und passives Metaphernvokabular eine wichtige Ressource für die Therapie darstellt. Es stellt sich die Frage, ob bestehende psychotherapeutische Methoden die metaphorischen Sprach- und Denkprozesse erweitern können oder ob dafür neue Behandlungsstrategien notwendig sind. In der Psychologie wurde die Metaphernanalyse zunehmend mit qualitativen Methoden verbunden, vor allem der Grounded Theory. Im deutschen Sprachraum sind hier die Arbeiten des Psychoanalytikers und Psychotherapieforschers M. Buchholz zur Metaphernanalyse zu nennen. Nach seiner Auffassung wird durch die kognitive Metapherntheorie aufgrund der Nähe der metaphorischen Bilder zu den seelischen Prozessen „eine Forschung möglich, die eine Kluft zur Praxis gar nicht erst überwinden muss, weil sie sie nicht herstellt“. (Buchholz im Vorwort zu Lakoff, Johnson 1998, S. 9) Buchholz geht es aber nicht nur um eine Metaphernanalyse von verschrifteten Protokollen therapeutischer Sitzungen. „Im Zentrum ihrer [der Psychoanalyse MK] Theorien stehen Metaphern, die ihre Wahrnehmungen steuern, ihren Beobachtungen Form geben, deren Ursprung auf Tradition verweist – und Innovationen limitieren.“ (Buchholz, 1996, S. 14) Diese schmerzhafte Erkenntnis der Metaphorizität vieler Modelle und Begriffe ging in der Psychoanalyse mit einer Grundlagenkrise einher, wobei nach Buchholz „das Programm einer ‚Psychoanalyse der Psychoanalyse’ […] als das derzeit avancierteste zur Lösung der Grundlagenkrise bezeichnet werden“ (ebd. S15) kann. Hier tut sich eine interessante Schnittstelle zwischen Psychoanalyse und analytischer Psychologie auf. Denn Buchholz entnahm diese Formel einer „Psychoanalyse der Psychoanalyse“ dem Aufsatz des freudianischen Psychoanalytikers D. Carveth „Die Metaphern des Analytikers. Eine dekonstruktivistische Perspektive“ (In: Buchholz, 1993, S. 15-71), der genau an dieser Stelle den Jungianer Hillman als Referenz heranzieht. „Folgen wir Hillman (1972) weiter: ‚Das 19. Jahrhundert übersetzte die Rede des Unbewussten in die Sprache der Vernunft. Wir haben die Chance, die Sprache der Vernunft in den archetypischen Hintergrund des Unbewussten und seines Sprechens zurückzuübersetzen und somit ein Konzept zurück in eine Metapher zu verwandeln.’ (S. 162) Dieses Unternehmen ist exakt eine Psychoanalyse der Psychoanalyse.“ (Carveth, in Buchholz, 1993, S. 51) Immer wieder rekurriert Carveth auf Hillmans Auffassungen zu den „metaphorischen bzw. mythischen Grundlagen der Idee des ‚Analysierens’, “ vor allem den jeglicher Psychotherapie „inhärenten Widerspruch: Ihre Methode ist apollinisch, ihre Substanz dionysisch. Sie versucht, das Kollektive zu analysieren, das nach unten Gerichtete, die Schwüle libidinöser Fantasien, das Kind, das Theatralische, das Vegetative und das Animalische, kurz: das ‚verrückte’, alles Dionysische – und zwar mit den Mitteln der Distanz, des Denkens und der Objektivität der anderen Struktur.“ (Hillman, 1972, S. 290, zitiert nach Carveth, 1993 in Buchholz, 1993) Buchholz unterstreicht auch den Wert der Metapher für die therapeutische Kommunikation. „Metaphern ermöglichen jenen dialogischen Übergangsraum, in dem sich die Fähigkeit zu spielen sprachlich kultivieren kann. Die Metapher kann somit eine zentrale Stellung in der therapeutischen Kommunikation beanspruchen.“ (Buchholz, 1996, S. 109) Gleichzeit macht aber die Metapher auch die Grenzen der Kommunikation deutlich, denn „sie verweist […] auf ein Anderes, das durch sie nur in der Vorstellung erregt, nicht aber unmittelbar kommuniziert werden kann.“ (Buchholz 1998, S. 553) Gerade dadurch kann die Metapher die kommunikative Krise im therapeutischen Prozess auffangen, denn „Verständigung [ist] auch in der Psychotherapie ein unwahrscheinlicher Fall. Therapeuten wie Patienten verwenden höchst unterschiedliche Kontexte der Bedeutungsgebung.“ Buchholz 1996, S. 113) Eine Metapher hat aber eine multiple Referentialität, d.h. die Fähigkeit, auf unterschiedliche Bedeutungsbereiche zu verweisen, die sie durch äquivalente Szenarien strukturieren kann. „Wo äquivalente Szenarien imaginativ im Hörer rekreiert werden, kann die Metapher so die Anschlussfähigkeit der Kommunikation gerade bei bestehender Verstehensdifferenz sichern.“ (ebd. S. 116) Die Konsequenz der kognitiven Metapherntheorie ist damit auch eine „geradezu revolutionäre Aufwertung der Rolle der Imagination.“ (ebd. S. 111) Abschließend möchte ich noch kurz den Begriff der Prozessvorstellungen vorstellen. Buchholz (1996, S. 85ff) versteht darunter die Vorstellungen, die sich der Patient wie der Psychotherapeut von der Entstehung der Krankheit wie von ihrer therapeutischen Beseitigung machen, einschließlich der Vorstellungen beider über das Zusammenwirken. Beim Patienten handelt es sich um eher um Prozessfantasien, die nicht immer bewusst sein müssen, beim Therapeuten um Prozessmodelle, die in seinem Alltagswissen wie in seiner Theorie verankert sind. Solche Prozessvorstellungen werden beidseits fast immer metaphorisch formuliert und treffen in der analytischen Situation aufeinander. „So wird es möglich, den therapeutischen Dialog nicht nur als Austausch von Worten, sondern als Begegnung der Bilder aufzufassen.“ (Buchholz, 1998, S. 559) Die folgende Metaphernanalyse bezieht sich auf die Einleitung der Dokumentation der Patientin, in der sie ihre Vorgeschichte schildert. Durch einen Zufall kam sie darauf, vom Vater missbraucht worden zu sein, nachdem sie ein Plakat sah mit dem Bild eines kleinen Mädchens und dem Text: Vater war mein erster Freund. Meine Untersuchung hat zunächst die metaphorisch formulierten Prozessfantasien der Patientin zum Inhalt und danach das archetypische Szenario, in welches die Erinnerung an den Missbrauch eingebettet ist. Im Analyseschema sind die metaphorischen Formulierungen im Text der Patientin links unterstrichen, rechts stehen meine Kodierungen. Kodiert sind hauptsächlich die Prozessfantasien der Patientin und die Art ihrer Krankheitsbewältigung im Sinne einer eher aktiven oder passiven Einstellung zu ihrem Krankheitserleben. Die Analyse erfolgte mit Hilfe des Interpretations-Unterstützungs-Systems Atlas/ti, welches auf der qualitativen Methode der „Grounded Theory“ beruht. Einzelheiten dazu siehe Krapp. Metaphernanalyse
Die verschiedenen metaphorischen Motive der Prozessfantasie lassen sich wie folgt zusammenfassen: Suche nach dem Ursprung, Kindheit ist ein nicht lösbares Rätsel, den unklaren Ereignissen auf den Grund gehen, Beginn der seelischen Schmerzen, Ursprung der schrecklichen Empfindungen, den Anfang der Hoffnungslosigkeit aufspüren, innerer Aufbruch, den selbstzerstörerischen Prozess an den Wurzeln packen, es brodelt in mir, es arbeitet tief unbewusst, Erinnerungen bahnen sich ihren Weg an die Oberfläche. Wahrhaftige, uralte Erinnerung. Es kann deutlich nachvollzogen werden, wie diese Prozessmetaphern auf das Motiv des Ursprungs fokussieren. Dabei verbindet sich die Suche nach der Ursache ihrer Erkrankung mit der Suche nach dem „Davor“, dem Ursprung im symbolischen Sinn, welcher das Bild einer heilen, paradiesischen Welt beinhaltet. Das in den Prozessvorstellungen zum Ausdruck kommende Krankheitserleben verändert sich immer mehr in eine aktive Einstellung. Nach der Erinnerung an den Missbrauch sind die Prozessfantasien auch auffallend final ausgerichtet: Etwas in sich bereinigen, den Weg zu einer seelischen Stabilität aufbauen, einen beschwerlichen Weg beschreiten, Reise zurück in die Vergangenheit, schwierige Suche in den tiefsten Windungen der Seele, Erwartung der Zukunft. Der eigentliche Moment der Erinnerung an den Missbrauch geht mit dem Bild des Fallens einher. Hier lassen sich die einzelnen Ebenen der Metapherbildung in ihrer Verbindung zu Bild und archetypischem Symbol veranschaulichen. Fallen ist zunächst eine „nichtmetaphorische“, konkrete körperliche Erfahrung, wo sich ein Gefühl mit einer bildhaften Vorstellung verbindet. Dies überträgt die Patientin auf ihren Gefühlszustand, als sie sich zum ersten Mal an den Missbrauch erinnert, und sie kreiert ein eigenständiges metaphorisches Bild des Fallens in das eigene Innere. Die konventionellen metaphorischen Konzeptionen des Fallens beinhalten eher schuldhaftes Handeln wie z.B. „Jemand ist tief gefallen“ und „Gefallenes Mädchen, “ oder Zustände eines Orientierungs – oder Identitätsverlustes wie z.B. Fall oder Sturz ins Bodenlose. Beide emotionale Zustände treffen auch auf die Patientin zu, wie dies der weitere Text deutlich macht. Damit entsteht ein hochkomplexes, aus verschiedenen Metaphoriken bestehendes Bild des Fall(en)s, dem auch symbolische Bedeutung zukommt. In der freudianischen Symbolauffassung wird dieses Symbol direkt übersetzt (siehe Hillmans Ausführungen weiter oben zu Allegorie und freudianischem Traumverständnis) und steht z.B. für ein unbewusstes Schuldgefühl. In der jungianischen Symbolauffassung bekommt das Symbol „Fall“ darüber hinaus auch eine archetypische Bedeutung. Mit der Erfahrung des Missbrauchs verbindet sich der Verlust der kindlichen Unschuld, was sich in archetypischen Bildern wie der Verlust des Paradieses oder des göttlichen Ursprungs ausdrücken kann. Insgesamt zeigt das Erleben der Patientin, wie es die Texte zur Darstellung bringen, eine auffallende Übereinstimmung mit gnostischen Motiven. Diese lassen sich, ausgehend von Eliade (S. 315ff), wie folgt zusammenfassen.
Wenn man die symbolische Bedeutung der oben dargestellten, auf das Motiv des Ursprungs bezogenen, metaphorischen Prozessvorstellungen mit einbezieht, lassen sich all diese gnostischen Motive in der Darstellung der Patientin auffinden, sogar das Motiv der Amnesis und Anamnesis. Die Lichtmetaphorik ist zunächst gegenläufig zur gnostischen Erzählung, wenn sich ihre Erinnerung, die für sie den Ursprung ihrer Probleme darstellt, metaphorisch ausgedrückt, im Fallen „erhellt“. Mit Hilfe der Erinnerung kann sie eine Verbindung zu der Zeit vor dem Ursprung ihrer Probleme herstellen, wo die Welt noch heil gewesen war. Dies deutet auch die Metapher an, dass ihr all die Probleme und Beschwerden nicht in die Wiege gelegt wurden. Als Kind veränderte sich aber die Welt nach der Erfahrung des Missbrauchs dahingehend, dass es dunkler um sie herum wurde, so dass ihre Darstellung wieder mit den gnostischen Motiven übereinstimmt. Nach der Erinnerung an den Missbrauch machte die Patientin eine Kur in einer psychosomatischen Klinik. Nach der Entlassung ging es ihr erst besser, sie wurde dann aber zunehmend depressiv durch die schon länger bestehende Ehekrise. Als sie nicht mehr verleugnen konnte, dass ihr Ehemann eine Geliebte habe, erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und kam in eine Kriseninterventions-Station. Dort wurde sie wegen einer psychotischen Episode eine Woche lang stationär behandelt und ihr eine ambulante Psychotherapie empfohlen. Eine Woche später fand bei mir das Erstgespräch statt. Dessen erste Hälfte verging mit den Schilderungen der äußeren Vorkommnisse, die Vorgeschichte ihrer Beschwerden, die Erinnerung an den Missbrauch, die stationäre Psychotherapie und die Ehekrise. Die offen, freundlich und zugewandt wirkende Frau machte eine kleine Verschnaufpause und spracht dann mit zurückgenommener Stimme, dass es da noch Bilder gab, die sie in Zusammenhang mit den therapeutischen Gesprächen bei sich bemerkte, innere Bilder, die sich bewegt hätten, fast wie ein Film. Diese Bilder waren eine wichtige Orientierung für sie. Ich fühlte mich fast wie elektrisiert durch diese wenigen Worte, da ich den Eindruck hatte, dass diese Bilder sehr Wertvolles für die Patientin sind. Gleichzeitig bemerke ich den Reflex, sehr behutsam zu sein, da die Patientin ja erst vor kurzer Zeit aus einem psychotischen Zustand zurückgekommen ist und sich noch am Rande der Psychose befindet. Ich muss sie und ihre inneren Bildern wie ein rohes Ei behandeln, so etwa ging es mir durch den Kopf. Vorsichtig frage ich, ob sie mir mehr davon berichten wolle. Sie hat nichts dagegen, im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dies tut ihr gut, denn es sprudelt wie ein Wasserfall die nächste Viertelstunde aus ihr heraus. Im Folgenden sind diese inneren Bilder der Patientin, wie sie diese mir im Erstgespräch vorstellte und später in ihrer Dokumentation beschrieb, von mir zusammengefasst wiedergegeben und den archetypischen Bildern gegenübergestellt, die sich in Korrespondenz dazu bei mir imaginativ entwickelten. Die jeweiligen imaginativen Szenarien bei der Patientin und bei mir sind zueinander äquivalent, wobei hier das archetypische Bild die Äquivalenz herstellt, nicht die Metapher, wie dies Buchholz weiter oben beschrieb.
Aus der vielfältigen Symbolik soll das anfängliche Bild, welches sich mir als orphische Kosmogonie darstellte, amplifiziert werden. Nach Kerényi (1966, S. 334ff) besteht das orphische Bild des Urzustandes nur aus Nacht und Dunkelheit, ohne Erde. Aus dieser bodenlosen Finsternis, dem Erebos, gebärt die Nacht das Urei, aus dem wiederum ein zweigeschlechtliches Wesen hervorkommt. In der Version des Orpheus ist dies der Lichtgott Phanes, bei Aristophanes ist dies Eros. „Das Erschaffen einer Welt, indem sie aus der Nacht zum Licht gebracht wird, ist das Wirken des Eros als Phanes, und […] ein Initiationserlebnis.“ (ebd. S. 337) Das Ei ist ein „weibliches Bild des Ursprungs“, welches „der ursprünglich rein männlichen orphischen Initiation vorbehalten zu sein [scheint]: das Bild eines silbernen Eis, das, durch Wind und Nacht gezeugt, mit einem geflügelten, schöpferischen Gott als Inhalt, am Weltanfang gelegt wurde.“ (ebd. S. 334) Zur reichhaltigen alchemistischen Symbolik in den imaginativen Vorstellungen der Patientin siehe meine Beiträge zur Alchemie in Müller. (2003 und 2005) Das nächste mit von der Patientin berichtete innere Bild verbindet sich mit einem äußeren Szenario, einer Erinnerung an einen weiteren Übergriff des Vaters bei einem sonntäglichen Spaziergang. Sie spricht von einer verzweifelten Suche nach dem kleinen Mädchen in mir, welches ich irgendwann in einem dunklen Tunnel verloren hatte. Dieses kleine Mädchen wollte ich unbedingt wieder finden, um damit einen Möglichkeit zu schaffen, eine vollständige Person neu aufbauen zu können. Die Motive des dunklen Tunnel (Erinnerung) und des Aufbauens einer neuen Person lassen sich auf das erste innere Bild der alles umschließenden Dunkelheit beziehen, zu dem bei mir das Bild der orphischen Kosmogonie korrespondierte. Eine vielleicht zu forcierte therapeutische Bearbeitung provozierte weitere Erinnerungen an den Missbrauch und führte bei der Patientin zu einem dissoziativen Zustand. Plötzlich wurde der auf dem Klinikgelände sich befindende Baukran für sie zur Möglichkeit eines „befreienden Sprungs.“ Dies wollte sie aber weder sich selbst noch ihrer Therapeutin antun. „Um diesen Druck zu entkommen, war es notwendig, eine ‚innere Möglichkeit’ und Abwehr zu entwickeln.“ (Dokumentation) Folgendes inneres Bild entstand dann bei ihr:
In diesem dissoziativen Zustand wurde die Patientin aus der Klinik entlassen. Wie sie mir sehr viel später berichtete, sprach sie mit ihrer jungen Therapeutin kein einziges Wort über ihre inneren Bilder, da sie das Gefühl hatte, diese damit zu überfordern. Äußerlich hatte sich zunächst eine Besserung des Befindens eingestellt. Die Patientin wollte auch mit der Therapie weitermachen und stellte sich bei ihrem Nervenarzt mit ihren inneren Bildern vor. Dessen ablehnende Antwort, dass eine Therapie sie zu sehr verwirren könnte und sie einfach nur ihre Medikamente weiter nehmen solle, empfand sie als Ablehnung und als völlig unverständlich. Im Lauf der nächsten Monate wurde das innere Bild mit den zwei Figuren bewegungslos und starr. Mit der bitteren Erkenntnis, dass ihr Ehemann eine Geliebte hat, „überschlugen“ sich ihre inneren Bilder. Sie berichtet von einem Lebensbedrohlicher Streit der beiden Figuren. Angst, die übermütige Figur könnte die nackte Figur töten. Starke innere Zerrissenheit, da beide Figuren für die Pat. wichtig sind. Die untere Figur versucht die obere Figur auf den Boden zu locken. Die nackte, untere Figur ist körperlich schwer verletzt, hat eine große, offene Wunde am rechten Mittelbauch. Sie hat einen trauervollen Gesichtsausdruck.
(Aus Jung, GW XVI, S. 285) Jung verbindet mit dieser Trennung der Seele vom Körper eine „Dissoziation und Auflösung des bisherigen Ichbewusstseins,“ (Jung, GW XVI, S. 285) einen möglichen psychotischen Zustand, der „zu den schwierigsten Übergängen der analytischen Behandlung“ (ebd.) gehört. „Gegenüber der Desorientierung muss die Orientierung des Arztes festgehalten werden.“ (Jung, GW 16, S. 287) Diese entspricht der symbolischen Einstellung des Analytikers, eine „Auffassung, […] die selber bildhaft und symbolisch und ihrerseits aus der Erfahrung unbewusster Inhalte hervorgegangen sein [muss]. Sie darf sich daher nicht zu weit ins Abstrakte und Intellektuelle entfernen, weshalb sie am besten im Rahmen des traditionellen Mythologems […] stehen bleibt.“ (ebd.) Für mich stellten diese aus den alchemistischen Bildern hervorgegangenen imaginativen Vorstellungen in ihrer Verflechtung mit dem jungianischen theoretischen Hintergrundwissen eine wichtige Orientierung in dieser Erstbegegnung dar. Es war einfach tröstlich für mich zu wissen, dass es für den abgespaltenen Seelenaspekt, der in nuce auch eine neue Möglichkeit der Selbstverwirklichung und Lösung der Krise für die Patientin enthielt, wieder einen Weg zurück gab. Das Aushalten der intensiven Schilderungen der Patientin ihrer inneren Bilder, deren glücklichen Ausgang ich ja erst am Ende erfuhr, wurde mir durch die Kenntnis der alchemistischen Bilderserie sehr erleichtert, dass am Ende einer solchen Dissoziation das archetypische Bild der Coniunctio und des Hermaphroditen stehen kann, der einen männlichen und einen weiblichen Seelenanteil in sich vereinigt. Zudem bestätigte mir diese „Bildergeschichte“ das schöpferische Potential dieser Frau, die sich die Integration ihres dissoziativen Zustands so schwer erkämpft hatte. Dies erzeugte bei mir eine positive Identifikation mit ihr, die sicherlich das entscheidende Fundament für die sich daran anschließende fünfjährige analytische Behandlung darstellte. Am Ende des Erstgesprächs ermunterte ich sie deshalb, ihre inneren Bilder auch gestalterisch zum Ausdruck zu bringen. Sie malte ihre inneren Bilder und schrieb Kommentare dazu, so dass sich in den nächsten beiden Therapiesitzungen ein intensiver Austausch darüber einstellte. Im Laufe der Therapie führte meine Patientin ihre imaginativen Aktivitäten auch selbständig weiter, die sie zu Hause niederschrieb und dann in die Therapie einbrachte. Daraus ist im Laufe der ersten beiden Jahre Therapie eben jene umfangreiche Dokumentation über ihren therapeutischen Prozess hervorgegangen. Zusammenfassung und AusblickMetaphorische Bilder beim Patienten, vor allem wenn sie mit archetypischen und symbolischen Motiven verbunden sind, können beim Analytiker dazu korrespondierende imaginative Vorstellungen aktivieren und so eine emotionale Resonanz herstellen. Voraussetzung dafür ist das Interesse des Analytikers an den inneren Bildern der Patienten und seine Fähigkeit, eine symbolische Einstellung bei sich aufzubauen und seine eigenen imaginativen Vorgänge ins therapeutische Geschehen einzubringen. Innere Bilder mit symbolisch-archetypischen Inhalten haben im therapeutischen Prozess eine wichtige Orientierungsfunktion. Sie erleichtern dem Analytiker die Einfühlung und die Identifikation mit den gesunden, schöpferischen Anteilen des Patienten. Schwierige Gegenübertragungen können besser ausgehalten werden. Die Patienten fühlen sich besser angenommen und verstanden. Die Grenze der kommunizierbaren Erfahrung manifestiert sich in den unterschiedlichen imaginativen Szenarien, die bei Patienten und Therapeuten zu einem metaphorischen Bild oder Symbol entstehen, die aber zueinander äquivalent sind. Damit kann die kommunikative Krise im therapeutischen Prozess in der Schwebe gehalten und durch das Entwerfen neuer Bilder und Metaphern weiter prozessiert, aber nie dauerhaft gelöst werden. Die unterschiedlichen imaginativen Vorstellungen können nicht unmittelbar, nur im Nachhinein kommuniziert werden. Indem sie aber ein äquivalentes Szenario bilden, könnte dies auch die Matrix für die in der Einleitung beschriebenen unbewussten Austauschprozesse darstellen. In der analytischen Psychologie sind die theoretischen Hintergrundannahmen oft mit Metaphern und symbolischen Bildern verbunden bzw. durch solche veranschaulicht. Damit entsteht eine Flexibilität der theoretischen Hintergrundannahmen, auf deren Notwendigkeit die psychotherapeutische Prozessforschung hinweist (siehe dazu Leuzinger-Bohleber, 1992 p. 6). Dies erleichtert wesentlich die kommunikative Umsetzung der theoretischen Hintergrundannahmen als Prozessvorstellung im therapeutischen Prozess. Ein großer Teil der metaphorischen Prozessvorstellungen und alle archetypischen Symbole, wie ich sie hier vorgestellt habe, sind schon Inhalt des Erstgesprächs gewesen. Dies macht die hochkomplexen, kognitiven Prozesse in der analytischen Situation deutlich, wie diese durch die Multidimensionalität metaphorischer Bilder und Symbole simultan zur Darstellung und kommunizierbar gemachten werden können Last not least beinhalten die Ausschnitte aus der Dokumentation meiner Patientin eine bereichernde Amplifikation unseres Kongressthemas „Erinnern und neues Werden.“ Dafür möchte ich mich bei ihr herzlich bedanken. Literaturverzeichnis
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| Last Updated on Monday, 26 October 2009 03:58 |




Zu diesem dissoziativem Zustand korrespondierte bei mir die alchemistische Bilderserie des „Rosariums philosophorum,“ die von Jung zur Veranschaulichung der Übertragung herangezogen wurde, vor allem das Bild 7 (siehe Abbildung).
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