Wolfram Keller, 04.01.1944 – 17.05.2019

Nachruf auf Dr. med Wolfram Keller

Dr. med. Wolfram Keller (1944 — 2019)

Am 17.5.2019 verstarb nach schwerer Krankheit unser hoch geschätzter Kollege Wolfram Keller, der seit vielen Jahrzehnten als Mediziner und Psychoanalytiker in Berlin präsent war. Viele unserer Berliner Kolleginnen und Kollegen kennen Wolfram Keller noch aus seiner Zeit in der Psychosomatik im Klinikum Benjamin Franklin, wo er gemeinsam mit Prof. Deter und Prof. Studt viele Studien zu psychosomatischen Erkrankungen, unter anderem auch zur Wirksamkeit stationärer Gruppenpsychotherapie auf den Weg gebracht hat. Seine psychoanalytische Weiterbildung absolvierte er am Institut für Psychotherapie, wo er schon bald in Gremien aktiv war. Später hat er als Lehranalytiker und Supervisor viele Kolleginnen und Kollegen begleitet und geprägt. Von 1996 bis 2011 wirkte er als Chefarzt der Abteilung Psychosomatik mit internistischem Schwerpunkt der Kliniken im Theodor-Wenzel-Werk. Als Internist setzte er sich für die sorgfältige klinische und somatische Versorgung seiner Patienten ein. Als Psychoanalytiker förderte er mit seinem psychosomatischen Verständnis von Erkrankungen die stationäre Psychotherapie. Sein Engagement für die Weiterbildung von Ärzten und Therapeuten war immer geleitet von Offenheit für neue Ideen und Gedanken. Er schuf damit weiten Raum für fachliche und persönliche Entwicklungen. Als Chef verstand er es, Anspruch und Wertschätzung so wohltuend miteinander zu verbinden, dass man gerne in seinem Team arbeitete. Durch sein Engagement und seine fachliche Erfahrung war er in Berlin mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Fachgruppen vernetzt und setzte sich für die Sache der Psychosomatik und Psychoanalyse ein. Sein stetes Interesse an der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Psychoanalyse sorgte immer wieder für neue Forschungsinitiativen und Studien. Besonders hervorzuheben sind seine Forschungsarbeiten im Rahmen der PAL- und der LAC-Studie sowie der Ausarbeitung des OPD. Ihm war als Kliniker die Wissenschaftlichkeit und die Sachlichkeit der Methode ein großes Anliegen. Damit bezog er eine Position, die in den berufspolitischen Auseinandersetzungen überaus wertvoll war. In Erinnerung wird neben vielem anderen sein damals in Berlin einzigartiges „Mutter-Kind-Projekt“ bleiben, in dem er psychisch erkrankten Müttern und deren Kleinkindern einen gemeinsamen Klinikaufenthalt ermöglichte. Die Finanzierungsprobleme dieses Vorhabens überwand er, indem er es verstand, seine Mitarbeiter so dafür zu begeistern, dass eine Querfinanzierung möglich wurde. Auch hier stellte er einen fachgebietsübergreifenden Austausch her mit Kolleginnen, die sich mit der „Eltern-Säuglings-Kleinkindtherapie“ beschäftigen und mit Fachleuten der örtlichen Jugendämter.

Am Institut für Psychotherapie Berlin e.V. war er ein geschätzter und beliebter Kollege, Dozent, Lehranalytiker und Supervisor, der sich auch hier über Fachgrenzen hinweg für die Ausbildung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse engagierte. Als Mitglied des C.G. Jung – Institutes Berlin verfolgte er die Ideen und Weiterentwicklungen der Analytischen Psychologie und konnte mit seiner Haltung die Neugier vieler Kolleginnen und Kollegen wecken und für ihre Mitarbeit in den verschiedenen Gremien gewinnen. Durch dieses Engagement prägte er über viele Jahre die Ausbildung wie auch die Fortentwicklung des Institutes für Psychotherapie. So war er im Vorstand des Instituts für Psychotherapie und leitete das Gesamtlehranalytikergremium. Bis zuletzt hatte er auch die Leitung des Lehranalytikergremiums der Fachgruppe Analytische Psychologie inne.

Unvergessen wird er für viele Kolleginnen und Kollegen als begeisternder Gastgeber bleiben, der unkompliziert sein Domizil auf Valentinswerder für Feste zur Verfügung stellte oder zum gemeinsamen Musizieren oder „Weihnachtssingen“ einlud. Bis zuletzt war es ihm wichtig, einerseits im Diskurs mit den Kollegen zu bleiben, andererseits seiner Freude am gemeinsamen Musizieren Ausdruck zu verleihen. Wir sind sehr dankbar, dass wir zwei Wochen vor seinem Tod noch seinen Geburtstag nachfeiern konnten. Dort erlebten wir ihn noch einmal so, wie wir ihn kannten: mit inhaltlich gutem gedanklichem Austausch, mitreißender Musik und in herzlicher Gemeinschaft.

Das Andenken an Herrn Dr. Keller wird das Institut für Psychotherapie und die von ihm ausgebildeten oder ihm fachlich verbundenen Kolleginnen und Kollegen weiter leiten. Er wird uns als geschätzter Kollege in Erinnerung bleiben. Wir wünschen seiner Familie viel Kraft und Trost in dieser betrübten Zeit.

 

Im Namen aller Mitglieder des C.G. Jung Instituts Berlin,

Birgit Jänchen – van der Hoofd

Vorsitzende C.G. Jung-Institut-Berlin

 

 

IAAP

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